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Balance

Wie man ohne Stress kontinuierlich besser wird

In diesem Artikel geht es darum die Balance zwischen der Komfortzone und der Lernzone zu finden. Der Beitrag richtet sich nicht nur an Sänger*innen, sondern auch an Musiker*innen und Künstler*innen im Allgemeinen.

Lernpsychologen sprechen von

Drei Zonen des Lernens

Zone 1: Komfortzone
Hier befindet sich alles, was wir ohne Hilfe von Außen umsetzen können.

Zone 2: Lernzone
Mit Hilfe können wir Neues verstehen und anwenden.

Zone 3: Panikzone
Hier ist es auch mit Hilfe noch zu schwierig. Wir müssen unser Lernziel entweder in kleine, planbare Schritte einteilen und so Stück für Stück in der Lernzone daran arbeiten, oder wir setzen uns ein anderes Ziel, mit dem wir etwas schneller Erfolgserlebnisse haben.

Zeichnung Nr.1 Das 3-Zonen-Modell nach Lev Vygotsky


In der Komfortzone

Dauer: 29 Sek.

Wir lieben es in der Komfortzone zu schwelgen. Hier verspüren wir keine Einschränkungen und Hemmnisse. Was uns musikalisch in den Sinn kommt, drücken wir mit unserem Instrument aus, ohne dass wir angestrengt darüber nachdenken müssen. Möglich, dass viele unserer neuen Ideen ebenfalls der Komfortzone entspringen. Warum dann also nicht einfach hier bleiben?

In der Lernzone

Dauer: 16 Sek.

Wenn man den Eindruck hat, sich ständig zu wiederholen, könnte es sein, dass man es sich in der Komfortzone unabsichtlich zu lange bequem gemacht hat. Dann tut ein Ausflug in die Lernzone gut.
Umgekehrt befinden sich die besonders „Fleißigen“ eher zu selten in der Komfortzone. Sie haben möglicherweise eher die Neigung sich ihre Inspiration in der Lernzone kaputt zu üben.

Dauer: 24 Sek.


Beispiele für Lernhilfen in der Lernzone:

  • Metronom bei Schwierigkeiten mit dem Timing
  • Das Wissen über das eigene Instrument zielführend einsetzen (z.B. Gesangstechnik und das Verständnis stimmfunktionaler Regeln bei Sängern)
  • jmd. fragen, der sich auskennt und Orientierungshilfe bieten kann
  • die Lernzone nicht als Sorgenzone sehen, sondern als Zone, in der Probleme gelöst werden
  • Kleine Erfolge in der Lernzone würdigen und feiern

Von der Lernzone in die Komfortzone und zurück

Dauer: 29 Sek.

Wenn wir zu lange in der Lernzone festhängen, ermüden wir und können am Ende nicht einmal mehr die Komfortzone genießen. Das passiert schneller als man denkt und sehr viele Musiker*innen (vielleicht sogar fast alle?) waren schon einmal an diesem Punkt.
Während eines Musikstudiums z.B. hat man ein sehr hohes Lernpensum zu bewältigen. Wenn einem das vorher bewusst ist, kann man sich mental darauf einstellen, dass einem die nächsten drei bis vier Jahre in der Lernzone viel abverlangen werden. Lässt man das jedoch einfach unreflektiert auf sich zukommen, geht einem schonmal schnell die Puste aus.

Das Problem ist oft nicht die Menge an Musik und Technik, die man sich draufschaffen soll, sondern der gefühlte Verlust der Entscheidungsfreiheit. Sobald die Lernzone nur noch für den Lehrer, für die Hochschule, oder die Uni besteht, oder um die nächste Miete zu bezahlen, bestimmen externe Faktoren unsere Motivation. Wir sind nicht mehr intrinsisch, aus uns selbst und aus der Musik heraus motiviert. Das kann nur eine gewisse Zeit lang gut gehen.

Die Muße küsst uns nur, wenn wir unsere Komfortzone ausleben und wir es zulassen, dass die Lernzone die Komfortzone füttern darf. Hierbei unterstützt uns ein mentaler Zustand, den Mihaly Csikszentmihalyi Flow nennt. Wenn wir im Flow sind, sind wir im Moment vertieft und gehen in unserer Tätigkeit völlig auf, ohne Ablenkung von außen, oder von innen. Wenn wir innerhalb der Lernzone Flowmomente schaffen, wird unsere Komfortzone immer größer.

Zeichnung Nr. 2 Häufiger Wechsel zwischen Komfortzone und Lernzone / Flowmomente in der Lernzone schaffen

In der Panikzone… oder Traumzone?

Für uns Künstler würde ich eher den Begriff Traumzone wählen. In der Traumzone schwelgen wir in unserer Fantasie von Übermorgen. Wo siehst Du Dich in deiner Traumzone?

  • Mit deiner Band live in der Royal Albert Hall?
  • Deine Kunstwerke in der MoMA in New York?
  • Als Opernsänger*in an der Mailänder Scala?
  • Auf Welttournee als Support Act für deine musikalischen Helden?

Die Traumzone sagt uns viel über unsere Wünsche und Bedürfnisse. Wieviel davon ist realistisch umsetzbar?
Kein Musiker kam bereits so auf die Welt, wie wir ihn von der Bühne kennen. Wir denken jetzt nicht an Jimi Hendrix, der Gitarre spielend in der Royal Albert Hall aus seiner Mutter herausploppt.
Jede Künstlerin, die heute dort steht, wo Du gern wärst, befand sich einst an dem Punkt, an dem Du jetzt gerade stehst. Theoretisch ist also alles möglich. Aber:
Die Traumzone ist mit Vorsicht zu genießen, denn sie hat auch einen großen Haken. Mehr zu den zwei Seiten der Medaille „Traumzone“ im nächsten Blogbeitrag.


Tamara Pientka

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Kennst Du schon…

… ?

Asynchrones Lernen bedeutet, dass Lehren und Lernen zeitversetzt stattfinden.

Nach dieser Definition haben wir alle schon in Ansätzen asynchron gelernt. Während der Schulzeit zum Beispiel, wenn wir die Hausaufgaben alleine gemacht haben und sie am nächsten Tag mit dem Lehrer gemeinsam verbessert haben. Später dann in der Berufsausbildung / Studium war es dann ähnlich. Hättest Du dir damals auch manchmal gewünscht, dein Lehrer oder Dozent wäre bei Rückfragen nur eine kurze Nachricht weit entfernt? Wie oft hättest Du gerne diese „Asynchronität“ verkürzt?

Man kann seine*n Gesangslehrer*in nicht jeden Tag in Echtzeit bei sich haben. Aber durch die moderne Kommunikationstechnologie gibt es heute viele Möglichkeiten, wie man die Lehrperson noch mehr in die eigene gesangliche Entwicklung miteinbeziehen kann. Video Messenger Apps, digitale Walkie Talkies, Share Files, private Gruppen in Social Media Netzwerken … all das kann dazu beitragen, das Üben zielführend zu unterstützen, kann ein positives Gemeinschaftserlebnis schaffen und Auftrittsangst verringern – um nur einige positive Effekte zu erwähnen. Ehe wir uns jedoch auf die technischen Details stürzen, beschäftigen wir uns mit folgender Frage:

In welchen Situationen kann Asynchronität das Lernen intensivieren und beschleunigen?

Wir betrachten 4 fiktive Situationen aus dem Blickwinkel von Sängerinnen und Sängern, die den Bedarf nach asynchroner Arbeitsweise zeigen. Das Prinzip kann auf alle Arten von Performern angewendet werden, die gute Gewohnheiten etablieren möchten.

  • Situation 1: Klarheit
    Der letzte Unterricht liegt bereits ein paar Tage zurück. Da war mir noch alles klar. Ich habe mein Coaching aufgenommen und mir meine Übungsschritte sogar kurz notiert. Aber irgendwie ist jetzt im Moment alles anders und ich komme alleine auf keinen grünen Zweig. Wenn mein Lehrer jetzt erreichbar wäre, wäre das Problem innerhalb von fünf Minuten gelöst und ich würde in meinen Workflow zurückfinden, statt tagelang mit lästigem hin und her probieren wertvolle Zeit zu verplempern.
  • Situation 2: Do It Yourself
    Ich brauch doch keinen Gesangsunterricht. DIY ist vielmehr mein Ding. Der Song ist vorbereitet, Backing Track läuft, Mikro eingestellt, Lautstärke gepegelt und los gehts. Und auf einmal funktioniert beim Singen etwas nicht mehr so wie sonst. Irgendetwas ist anders. Da ich routiniert bin finde ich eine Lösung, die zwar funktioniert, aber sie macht mich auch nicht wirklich glücklich. Wenn ich nur mal eben jemanden fragen könnte, die mir hilft aus einem „passt schon.“ ein „wow!“ zu machen, ohne dass sie direkt physisch vor Ort sein muss.
  • Situation 3: Kontinuität
    Ich weiß, regelmäßig und richtig üben ist wichtig. Aber dann gibt es ja auch noch das Leben. Lange Tage im Job, wenig Ruhe zuhause, kein Proberaum, Corona, keine Live-Gigs und auch keine Proben, knapp bei Kasse. Es gibt immer tausend Gründe, die mir und meinen Zielen in die Quere kommen wollen. Wenn ich meiner Lehrerin ein paar Mal pro Woche ein Video schicken „müsste“, würde mir das mit der Kontinuität eher gelingen.
  • Situation 4: Ortsunabhängigkeit
    Ich bin viel unterwegs, z.B. auf Geschäftsreise, oder im Auslandsemester, oder auf Tour. Ab und zu könnte ich schon Unterstützung von meinem Vocal Coach gebrauchen. Aber der sitzt natürlich grad in Deutschland.

In jeder dieser 4 Situationen ist es hilfreich, jemanden in Reichweite zu haben, der einem Feedback geben kann und Ahnung von der Materie hat. Aber wie geht man es an, damit es auch was bringt?

Was die kostenlose Technik für asynchrones Arbeiten zu bieten hat:*

  • Share-File Dokumente für schriftlichen Austausch und zum Pläne schmieden (z.B. über Google Documents). Gut geeignet für komplexe Projekte.
  • Video Messenger Apps (z.B. Marco Polo). Gesangsvideos direkt per Handy in der Cloud aufnehmen und dem Coach schicken. Vorteil: Kein Speicherverbrauch auf dem Gerät. Videos bleiben in der Cloud und können wiederholt angesehen und gelöscht werden. Der Vocal Coach kann mit einer persönlichen Nachricht in Videoform antworten.
  • Private Communities in Sozialen Netzwerken zum Teilen von Übungsvideos und Stellen von Fragen. Z.B.: Private Facebookgruppe
  • Walkie Talkie Apps (z.B. Voxer) für kurzfristige Fragen und Anregungen. Empfehlung: Nicht dieselbe App nutzen, die man für private Gespräche nutzt. Kanäle getrennt halten hilft dabei, fokussiert zu bleiben.

Ich kann selbst aus eigener Erfahrung bestätigen, wie hilfreich asynchrone Arbeitsweisen sind. Sie greifen nämlich dort, wo das tatsächliche Lernen – die Transformation passiert. Nicht im Unterricht, sondern in den eigenen vier Wänden. Man holt den Vocal Coach digital und persönlich zu sich nach Hause.

Tamara Pientka

*Es besteht keine bezahlte Werbepartnerschaft zwischen Tamara’s Enjoy your Voice und den genannten Appanbietern.

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Inspiration, Glück und Birnen

Ideen sind Geschenke, die man selbst abholen muss.

Gedanken reifen zu Ideen, werden gestaltet, verändert, dürfen wachsen, um schließlich geboren zu werden und als neue Werke wiederum andere Menschen zu inspirieren. In dem Augenblick, in dem der Mensch sich inspirieren lässt, schafft er selbst neue Gedanken – wird zum kreativ Denkenden. Setzt er diese Gedanken mit den Materialien um, die ihm zur Verfügung stehen, wird auch er selbst zum Künstler.

Ist die Quintessenz des menschlichen Seins die Kreativität? Das willentliche, bewusste und zielgerichtete Erschaffen von etwas Neuem?

Gehen wir mal in eine Zeit zurück, in der wir alle Künstler waren.
Als Kinder haben wir jeden Tag etwas Neues entdeckt, wir haben uns täglich gewundert, haben Dinge, die wir nicht verstanden infrage gestellt – ohne dabei Angst vor der Antwort zu haben. Im Gegenteil. Wir waren neugierig und hinter jeder Ecke wartete das nächste „Warum?“. Frei von Berührungsängsten und falscher Scham haben wir Dinge definiert, neue Zusammenhänge erstellt und im Spiel neue Regeln entwickelt.
Moment mal! Spiel?
Genau. Als spielende junge Künstler waren wir täglich kreativ, in unser Spiel versunken, unsere ganze kleine Welt war ein riesiger Spielplatz. Unser Spiel schenkte uns unbeschwerte Momente puren Glücks.

Als erwachsener Mensch heute empfinde ich diese inspirierenden und kreativen Momente – ob sie nur für einen Wimpernschlag andauern, oder längere Zeitspannen überdauern – immer als Augenblicke besonderer Fokussierung, als kleine zeitliche Einheiten, in denen ich im völligen Einklang mit mir selbst bin. Es sind Momente der inneren Klarheit, Zeitfenster der Gewissheit, was als nächstes zu tun ist – nicht im Sinne einer notwendigen To-Do-Liste, sondern im Sinne des Bewusstseins sich sicher innerhalb aller Handlungsmöglichkeiten zu bewegen und dies als Chance zu begreifen. Zugleich stürzt eine Idee auf mich zu und lässt mich bis zu ihrer Umsetzung nicht mehr los. So führte mich gestern der Anblick einer Birne im Discounter zu einer neuen Vorspeise, die mein Mann und ich heute Abend genießen durften. Man kann sich nicht aussuchen, wo einen die Inspiration hinführt. Dieses Mal waren es halt Birnen.

In diesem Sinne – ein Hoch auf die kleinen Inspirationsmomente des Alltags! Lassen wir sie zu und machen wir etwas daraus, damit auch das neue Jahr eine Zeitspanne voller Entdeckungen und Möglichkeiten wird!

Enjoy your inspiration!

Tamara